Tourette Syndrom

Bei dem Tourette Syndrom (Gilles-de-la-Tourette-Syndrom) handelt es sich um eine neurologisch-psychiatrische Erkrankung, deren Ursache bisher noch nicht endgültig geklärt ist. Insbesondere das Nervensystem ist betroffen, was allgemein einhergeht mit unterschiedlichen seelischen Störungen. Symptomatisch hierfür sind das Auftreten von Tics. Hierbei handelt es sich um nicht kontrollierbare, häufig starke hintereinander auftretende Reaktionen, die kontinuierlich auftreten können. Oftmals zählen hier auch nicht beabsichtigte Äußerungen, Ausrufe oder eigenartige Geräusche hinzu.

Symptomatik

Bie vielen vom Tourette Syndrom Betroffenen verstärken sich die Tics in der Pubertät.

Bie vielen vom Tourette Syndrom Betroffenen verstärken sich die Tics in der Pubertät.

Die für das Tourette Syndrom charakteristischen Tics, treten zumeist erstmalig im Alter von ca. sieben Jahren auf und prägen sich in aller Regel bis ungefähr zum 14. Lebensjahr voll aus. In der Pubertät verstärken sich in vielen Fällen die Tics. Bei 70 Prozent aller Betroffenen lässt allerdings die Häufigkeit Tics zwischen dem 16. und 26. Lebensjahr wieder nach. Im Einzelfall kann es geschehen, dass die Symptome des Tourette Syndroms gänzlich verschwinden.

Die Tics werden in einfache motorische bzw. vokale oder komplexe Störungen unterteilt.

  • Einfache motorische Tics: Kopfwerfen, Augenblinzeln, Schulterrucken/-zucken
  • Einfache vokale Tics: Husten, Äußerung von bedeutungslosen Lauten, Nachahmen von Tiergeräuschen. Komplexe motorische Tics: selbstverletzende Handlungen, Grimassieren, Imitation
  • Komplexe vokale Tics: Wiederholung von Wörtern, Nutzen obszöner und aggressiver Wörter.

Ursachen

Bis heute ist es nicht möglich die genaue Ursache für das Auftreten des Tourette Syndrom nachzuweisen. Bekannt ist nur, dass es sich um einen Defekt im Aufbau des Gehirns handelt und nicht etwa um eine Zwangserkrankung. Eine von vielen unterschiedlichen Erklärungsansätzen sind erbliche Beeinträchtigungen.

Behandlung

Eine Heilung des Tourette Syndroms durch ein geeignetes Medikament ist bis zum heutigen Tage noch nicht gelungen. Eine Linderung ist dennoch möglich durch Einnahme entsprechender pharmakologischer Substanzen. Hilfe versprechen auch nichtmedikamentöse Verfahren. Zudem hat man die Möglichkeit, bei nicht so schlimmen Anzeichen mit Entspannungstherapien und verhaltenstherapeutische Maßnahmen den Tics entgegenzuwirken. Durch eigene Selbstkontrolle sollen die Bertoffenen Stressreaktionen lösen. Schwere Tics lassen sich bedauerlicherweise nur durch eine entsprechende medikamentöse Behandlung lindern.

Alltag

Der Alltag wird grundsätzlich je nach Schwere der Tics hiervon bestimmt. Betroffene müssen von daher mit der Zeit lernen, diese einzubauen und damit umgehen zu können, da wie beschrieben eine Unterdrückung so gut wie nicht möglich ist.

Die häufigsten Fragen zu Tourette

1. Wieso nutzt der Tourette Erkrankte ständig Schimpfworte?

Die Nutzung von Schimpfworten seitens an Tourette Erkrankter ist ein stark verbreitetes Klischee, welches tatsächlich nur einen geringen Teil der Erkrankten betrifft. Das Tourettsche Syndrom kennzeichnet sich durch einen Überschuss an nervlicher Energie und durch seltsame Bewegungen und Impulse, sowohl motorischer als auch vokaler Art, welchen der Erkrankte meist komplett unterworfen ist.

Die Koprolalie, also die zwanghafte Äußerung von Schimpfworten, ist nur einer von vielen möglichen Tics, die bei der Krankheit auftreten können, aber nicht zwangsläufig müssen. Der Krankheitsverlauf von Tourette-Patienten ist immer unterschiedlich und kann stark verschiedene Ausprägungen haben.

2. Kann man mit einem Tourette Erkrankten eine harmonsiche Beziehung führen?

Es gibt Menschen, welche es schaffen die Krankheit zu unterdrücken oder zu lernen, mit ihr zu leben. Dementsprechend kann es durchaus möglich sein, mit einem an Tourette ekrankten Menschen eine harmonische Beziehung zu führen. Des Weiteren kommt es natürlich darauf an, den Partner oder die Partnerin, der/die erkrankt ist, mit ihrer Krankheit zu akzeptieren – wenn diese Akzeptanz nicht gegeben ist, kann auch eine harmonische Beziehung nicht funktioneren.

3. Wie läuft der Sex bei Tourette ab? Geht das überhaupt bei sehr starkem Tourette?

Auch Geschlechtsverkehr ist mit einem an Tourette Erkrankten möglich, jedoch kommt es auch hier auf den Grad und die Ausprägung der Krankheit, der Beschaffenheit der Tics usw an, weshalb eine tatsächliche Beurteilung nur durch eine individuelle Fallbetrachtung getätigt werden kann.

4. Wie hoch ist die Zahl der Tourette Erkrankten in Deutschland?

Laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) 2008 gibt es etwa 287.000 bis 574.000 Betroffene in Deutschland.

5. Kann sich Tourette im Laufe des Lebens einfach entwickeln?

Nein. Die Tourettsche Krankheit entwickelt sich nur im Kindheits- und Jugendalter. Es ist allerdings möglich, dass die Krankheit mit dem Älterwerden zurückgeht.

6. Wird das Tourette-Syndrom als Behinderung anerkannt?

Ja. Ein an Tourette Erkrankter kann einen Behindertenausweis zu 50, 60, 70, 80 oder sogar 100 Prozent beantragen. Der Grad der Behinderung wird anhand der Ausprägung der Krankheit und der Art der Symptome errechnet.

7. Kann Tourette vererbt werden?

Die Ursachen für die Erkrankung an dem Tourettschen Symptom sind noch nicht eindeutig geklärt. Einige Forscher gehen von dem Tourette-Syndrom als Gegenstück zum Parkinsonschen Syndrom aus: die Gehirnzellen, die bei an Parkinson Erkrankten eine Unterfunktion aufweisen, weisen eine Überfunktion bei an Tourette Erkrankten auf. Jedoch haben etwa 60 Prozent der an Tourette Erkrankten ein oder mehrere Familienmitglieder, die auch erkrankt sind, was auf eine Vererbbarkeit hindeuten könnte.

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